Sieben Meister

Film

Warum braucht der Mensch Religion? Was treibt ihn dazu sich in die Lehren, Regeln und Pflichten einer Weltanschauung unterzuordnen? Geschieht dies aus einem natürlichen, womöglich gottgegebenen Drang der persönlichen Entwicklung heraus? Aus Gründen der familiären Bindung, aus Tradition oder Gewohnheit? Braucht der Mensch Religion, um die Konflikte und Schwierigkeiten des menschlichen Lebens besser zu bewältigen? Klare Regeln, Verhaltensweisen und Wertmaßstäbe, um sich besser zu orientieren? Eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten, um sich zurechtzufinden? Braucht der Mensch überhaupt Religion? Ist Gott nicht tot? Ist Denken nicht besser als Glauben?

IMG_2942Dr. Tovia Ben-Chorin   (Jüdische Gemeinde zu Berlin, Synagoge Pestalozzistrasse –  Berlin-Charlottenburg)
 
 
 
 
 
 
 
luganiDr. Avnish Kumar Lugani (Sri Ganesha Hindu Tempel – Berlin-Neukölln)
 
 
 
 
 
thai12Phra Patipan Ratanapanyo (Wat Pah Bodhi-Dhamm Tempel in der Thai-Buddhistischen Waldtradition – Berlin-Gatow)
 
 
 
 
 

Religion. Der Begriff ruft in der öffentlichen Diskussion anfangs des 21. Jahrhunderts unterschiedlichste Assoziationen, entgegengesetzte Reaktionen und Statements hervor, die von absoluter Hingabe bis hin zu schärfsten Kritik und Ablehnung reichen. In unseren Medien wird das Thema oft im Zusammenhang mit aktuellen, sozialen, politischen, ökonomischen oder gar militärischen Aspekten behandelt, und nicht selten geht es dabei um Konflikte zwischen den Religionen selbst. Die eigentlichen Lehren und Grundsätze der unterschiedlichen Glaubensformen, ihre Vielfalt und Andersartigkeit einerseits, mögliche Schnittpunkte und Gemeinsamkeiten andererseits, erhalten hingegen weitaus weniger Aufmerksamkeit und gehen im Diskurs oft unter.

Und dennoch, ob man dafür oder dagegen ist, als archetypisches, kulturelles und psychisches Phänomen, bildet Religion die Basis unserer Gemeinschaft, jeglicher Gemeinschaft, das intime Gerüst unseres kollektiven Unterbewusstseins. Glaubensinhalte prägen den Menschen -sie strahlen aus auf seine Herkunft, Erziehung, Sozialisierung und Weltanschauung- und machen ihn seinem Nächsten ähnlich oder ungleich.

  k8Schwester Mirjam Fuchs OCD – Karmel Regina Martyrum – Berlin Charlottenburg)

 
 
 
 

russort2Abt Daniil Irbits (Russisch-Orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats – Berlin-Wilmersdorf)

 
 
 
 

Das Material für diese Dokumentation wurde zwischen 2010 und 2015 in Berlin aufgenommen, einer Stadt, die nach einer Phase der bürgerlich-emanzipatorischen Säkularisierung im Schatten der fatalen Vergangenheit der Nazijahre und des religionsfeindlichen Regimes der DDR heute mehr denn je als säkular, sogar als „Hauptstadt des Atheismus“ gilt. Gleichzeitig ist  Berlin aber auch einer der Orte Europas in welchen die größte religiöse Vielfalt aufeinandertrifft. Migration, Globalisierung, Kulturaustausch haben Weltmetropolen wie die deutsche Hauptstadt in den letzten Jahrzehnten zu einem kosmopolitischen und multiethnischen Schmelztiegel gemacht.

Sieben Meister ist ein Dokumentarfilm, der Versuch einer unvoereingenommen Annäherung an 7 unterschiedliche Religionen (Judentum, Hinduismus, Thai-Buddhismus, Römisch-Katholische Kirche, Russisch-Orthodoxe Kirche, Islam,  Candomblé) und 7 ihrer Vertreter: Priester, Mönche, Gurus, Meister, Imame, Rabbis und Nonnen u.a., die für das Wohl der Suchenden und Gläubigen wirken, für den Zusammenhalt ihrer Gemeinde, für den Bestand und die Weiterentwicklung der eigenen Tradition. Sie bieten ein spirituelles Fundament und eine kulturelle Identität, repräsentieren in ihrem Amt und ihrer Funktion den Glauben, dem sie angehören, dessen Philosophie.

isyImam Dipl. Ing. Abdallah Hajjir (Darul-Hekma Haus der Weisheit e.V. – Berlin-Moabit)
 
 
 
 
 

ca2Murah Soares (Ile Oba Sileke – Berlin-Kreuzberg)
 
 
 
 
 

Sieben Meister ist ein vorurteilsloses und neugieriges Eintauchen in neun unterschiedliche Gemeinden, Welten und Kulturen, die Seite an Seite wenige Kilometer von einander entfernt leben. Hinter unserem Projekt steht der wohl entscheidende interreligiöse Gedanke: Dialogbereitschaft, die Fähigkeit zuzuhören, Respekt, Frieden und gegenseitiges Lernen, aber auch das Erkennen der Unterschiede und die Wahrung der eigenen Identität sind die Basis eines harmonischen und gerechten Zusammenlebens. Abseits von Bekehrungswünschen, Hegemonieansprüchen, Wahrheitsforderungen und Besserwisserei, machen Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen sich Gedanken über Religion, Gott, das Leben und den Tod.

Bildschirmfoto 2014-02-09 um 22.40.13Der Film beschränkt sich nicht auf eine philosophisch-theoretische Reflexion, die fern von jeglicher gelebter Realität bliebe: Bilder aus der Liturgie und Praxis der Gemeinden unterstreichen die Antworten der Protagonisten und vermitteln einen konkreten Bezug zu den besprochenen Themen. Stadt- und Straßenaufnahmen Berlins, als geographischer und kultureller Behälter dieser Schicksale, veranschaulichen den Zusammenhang zur materiellen Welt. So entsteht eine zweite Erzählungsebene und zugleich ein dramaturgischer Rahmen für die Interviews. Darüber hinaus präsentiert der Film ein reiches Angebot an liturgischer Musik, die in fast allen Traditionen des Glaubens  von grundsätzlicher Bedeutung ist. 

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Dieser Film hegt nicht den Anspruch die verschiedenen Meister und die ihnen zugehörenden Religionen vollständig darzustellen;  auch nicht, ihre Dogmen und Lehrsätze nach Art eines Lehrbuchs zu erörtern. Er soll vielmehr einen repräsentativen Querschnitt der „Angebote“ der Religionen Berlins vorstellen und eine fruchtbare Auseinandersetzung mit der kulturellen wie auch ästhetischen, philosophischen, ethnischen, ethischen und gesellschaftlichen Vielfalt der Stadt befördern. Aus der religiösen Heterogenität, welche Berlin Anfang des einundzwanzigsten Jahrhunderts glücklicher Weise wieder zu bieten hat, wurden nach subjektiven Kriterien sieben Gemeinden und deren Repräsentanten ausgewählt. Dank der entgegenkommenden und großzügigen Teilnahme aller Protagonisten, Ihrer geduldigen Zusammenarbeit, Dank der Hilfestellung und Gastfreundschaft der Gemeindemitglieder, konnte dieser Film entstehen.

Geschichte Berlins

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Eine Geschichte der Migration


 
 
 
 
 

Religionszugehörigkeit

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Eher eine säkulare Stadt


 
 
 
 
 
 

Religionen (aus Wikipedia)

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